Verklärt wird hier nichts, erst recht nicht im Mozart-­Requiem. Für den Dirigenten ist es alles andere als ein milder Trostquell. Es ist auch kein Klageruf. Es ist Panik und Wut, und ja, es ist Lobpreis. Schon den Anfang macht Guttenberg anders als die anderen: Die „Requiem“‑Einsätze lässt er so scharf dreinfahren wie Sensenhiebe, in konstantem Tempo. Das ist mächtig schauderhaft, und der Chor setzt alles plastisch um — auch im „Confutatis“. In seiner Drastik erinnert es an Hieronymus Bosch’ Weltgerichtstriptychon: Einer wird in der Pfanne gebraten, der nächste wird gepfählt.[…]

Umso mehr überzeugt der Chor: Bei Guttenberg ist er kein gesichtsloser Klangkörper, sondern stimmgewaltiger Stellvertreter des Menschen. Er schreit die Angst heraus, er preist Gott, er hadert und bittet. Großer Jubel, Guttenberg wirft seinen Blumenstrauß Richtung Chor. Zurecht.

Süddeutsche Zeitung (20.11.2014) zu Mozarts Requiem am 17.11.2014 in der Philharmonie München